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Schmetterlinge in Not

Manchmal werde ich bei der Schmetterlingskartierung von interessierten Spaziergängern gefragt, wie es denn um die heimischen Schmetterlinge stehe. Meine Antwort darauf ist immer recht einfach: "Die Vielfalt der Schmetterlinge ist längst verschwunden, und die noch vorhandenen Arten sind vom Aussterben bedroht!" Viele schütteln dann den Kopf und nennen mir als Beweis gegen meine pessimistische Behauptung, dass es in ihrem Garten nur so von bunten Schmetterlingen auf dem Buddleiabusch wimmle. Für sie ist also die Schmetterlingswelt noch ganz in Ordnung. Leider wird dabei übersehen, dass diese bunten Tagschmetterlinge zu den "Allerweltsarten" gehören, die nicht vom Aussterben bedroht sind, weil sie sich als Kulturfolger dem veränderten Umfeld angepasst haben wie z.B. das Tagpfauenauge (Bild 1).
Die Mehrzahl der Tag- und Nachtschmetterlinge ist aber hoch spezialisiert, benötigt einen ganz bestimmten Lebensraum mit speziellem Kleinklima und ausgewählten Nahrungspflanzen. Schon geringfügige Eingriffe können die Schmetterlingspopulationen negativ beeinflussen. Fehlen dann auch noch Vernetzungsstrukturen durch Hecken, Wiesenflächen oder kräuterreiche Wegränder, sterben Schmetterlingsarten wegen des fehlenden Genaustausches unweigerlich aus. Durch den Landschaftsverbrauch haben wir besonders in den letzten 30 Jahren die Zahl der Schmetterlingsarten um mindestens 50% dezimiert.

Bild 1: Das Tagpfauenauge hat sich seinem veränderten Umfeld angepasst. Bild 2: Der Trauermantel findet bei uns keine geeigneten Lebensräume mehr vor. Bild 3: Für den Schwalbenschwanz haben sich die Lebensbedingungen verbessert.


Bis 1960 wurden im Schwerter Stadtgebiet 563 Tag- und Nachtschmetterlingsarten beobachtet. Während dieser Zeit war z.B. Der Trauermantel (Bild 2) in lichten Birkenschlägen keine seltene Erscheinung. Heute taucht er nur noch ganz sporadisch als Zuwanderer aus Nachbargebieten auf.

54% der Tagschmetterlingsarten sind inzwischen aus dem Stadtgebiet verschwunden.

29% sind vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.

8% sind so selten, dass sie in absehbarer Zeit aussterben werden.

Nur 9% der ursprünglichen Tagschmetterlingsarten sind noch nicht bedroht. Es sind jene angepassten Arten, die wir alljährlich auf den Wasserdost-Blüten bei Spaziergängen oder im Garten auf Buddleia beobachten können. Bei den unauffälligen Nachtschmetterlingen ist die Lage ähnlich bedrohlich. Nur hier fallen die verschwundenen Arten nicht auf, weil sie ja nachtaktiv sind und wir sie normalerweise nicht sehen. Neben der Zerstörung ihrer Lebensräume kommt bei ihnen noch hinzu, dass wir nachts unser Umfeld beleuchten. Jede Straßenlaterne, jedes erleuchtete Schaufenster ist eine Irritation, die die Tiere am Nahrungs- und Fortpflanzungsflug hindert. Dass diese Beleuchtung schon stark zur Verminderung der Nachtschmetterlinge geführt hat, zeigt die Tatsache, dass uns heute kaum noch eine eine "graue Motte" durchs geöffnete Fenster an die Zimmerlampe fliegt.
Einige wenige Arten versuchen inzwischen wieder bei uns heimisch zu werden, weil sich ihre Lebensbedingungen wieder verbessert haben. Zu ihnen gehört z.B. der Schwalbenschwanz (Bild 3), der von den Brachflächen und Straßenrändern mit reichlichem Vorkommen an Wilder Möhre profitiert. Ob ihm die Wiedereinbürgerung gelingt, wird vor allem davon abhängen, ob wir seine Lebensbedingungen verbessern oder nicht. Da seine Raupe gern auch in den Gärten (ohne übrigens Schäden anzurichten) an Möhrenkraut lebt, sollte man sie auch dort fördern. Das heißt, kein Spritzmittel anwenden und kleine Zweige daneben stecken, damit sich die Raupe verpuppen kann.


Was können Sie als Haus- und Gartenbesitzer für unsere Schmetterlinge tun? Hier ein 8-Punkte-Plan:


1. Sachkundig machen! Nur das was man kennt, kann man auch fördern und schützen. Es gibt einfache, aber gute Handbücher, die nicht teuer sind, z.B. "Der Kosmos Schmetterlingsführer" ISBN 3-440-06202-3. Natürlich kann man auch die altbekannte Ostfriesenmethode anwenden. Jemanden fragen, der was weiß, Tel: 02304-41977.

2. Im Garten und Vorgarten eine Pflanzenwelt schaffen, die nicht nur den Schmetterlingen und Nachtfaltern Nektar spendet, sondern sie auch zur Eiablage bewegt. Es sind manchmal sogar ganz attraktive Stauden wie Nelkenarten, die diese Eigenschaften aufweisen. Der in Gartencentern angebotene "Schmetterlings-Blumensamen" enthält dagegen kaum Pflanzen, die Schmetterlinge mögen. Bunte Blütenpracht, die unser Auge erfreut, wird von Schmetterlingen ganz anders gesehen.

3. Raupen, die man an Gartenpflanzen findet, ruhig an Ort und Stelle fressen lassen. Aus den hässlichsten Raupen können sich die schönsten Schmetterlinge entwickeln. Nur bei echten Schädlingen kann man entsprechende schonende Maßnahmen ergreifen.

4. An einer Stelle des Gartens ruhig auch mal Wildkräuter wie Brennessel, Gänsefuss, Beifuß u.a. unbeeinflusst wachsen lassen. Gerade diese unscheinbaren "Unkräuter" sind begehrte Nahrungspflanzen für Schmetterlingsraupen.

5. Auf dem Kompost Kapuzinerkresse aussähen. Hier fressen später die Raupen der Weißlinge und Kohleulen lieber als am Kohl.

6. Beim Umgraben gefundene Schmetterlingspuppen in einen halb mit Erde gefüllten Blumentopf legen und mit einer Schicht Heu überdecken. Diesen Topf kann man im Gartenhaus oder im kalten Keller überwintern. Da Puppen Feuchtigkeit brauchen, sollte man das Heu alle drei Wochen mit Wasser einsprühen. Spannend wird es dann im Frühjahr. Welcher Schmetterling wird aus den unscheinbaren Puppen schlüpfen? Die Falter lassen Sie dann einfach abends fliegen.

7. Lampen am Haus nicht die ganze Nacht brennen lassen. Sie irritieren nur die vorbeifliegenden Nachtfalter.

8. Von August bis Oktober ein Dachfenster leicht öffnen. Es kommen dann die Pfauenaugen, Füchse und C-Falter und, wenn Sie Glück haben, auch ein Trauermantel zur Überwinterung. Von Ende Februar (je nach Einsetzen warmer Witterung) bis Mitte April sollte das Fenster aber wieder geöffnet werden, damit Ihre Gäste in die Freiheit gelangen können.

Wir sind uns sicher, dass die verschwundene Artenvielfalt nicht wieder herzustellen ist. Selbst mit Neuansiedlungen verschwundener Arten kann man das nicht erreichen. Wir sollten aber alles versuchen, zu erhalten, was noch da ist. Die Mittel dazu haben wir. Ein schönes Beispiel für aktiven Schmetterlingschutz bietet die AGON-Wiese "In den Höfen": Hier haben sich aus dem gestörten Umfeld Schmetterlinge eingestellt, die schon fast ausgestorben waren. Sie haben das neu geschaffenen Rückzugsgebiet sofort angenommen. Weitere Arten werden in Zukunft noch hinzukommen.

Text und Bilder: Hans-Joachim Weigt

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