Pilze zu jeder Jahreszeit zurück  

Fühjahrspilze

Der aufmerksame Naturbeobachter findet Pilzfruchtkörper - zu jeder Jahreszeit. Normal erst ab Mai, im milden Winter 2007 schon Anfang April, konnte der Pilzsammler die Spitzmorchel (Morchella conica) im bachbegleitenden Auwald, in Laubwäldern mit humusreichem Boden oder sogar im eigenen Garten auf Rindenmulch finden. Die Spitzmorchel ist ein ausgezeichneter Speisepilz. Auch der Kurzstielige Weichritterling (Melanoleuca brevipes) stand zur gleichen Zeit im lichten Fichtenwald. Auch er ist essbar. - Willibald Träger -



Spitzmorchel



Kurzstieliger Weichritterling

Herbstzeit - Pilzzeit

Prachtvolle Pilze gehören zum Herbst wie das bunte Herbstlaub. Wer sich die Muße nimmt, sich näher mit ihnen zu beschäftigen, ist bald von der Formen- und Farbenfülle fasziniert. In jedem neuen Herbst kann man sie wie liebe alte Bekannte begrüßen. Manche sind sogar gute Speisepilze. Allerdings ist von zu häufigem Pilzgenuss wegen der manchmal bedenklichen Schwermetallgehalte abzuraten. Auch die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe sind an Pilzen immer noch zu messen.

Pilze haben eine der wichtigsten Aufgaben in der Natur. Im Verein mit Bakterien und Kleinstlebewesen sorgen sie für ein geradezu perfektes Recycling aller organischen Stoffe. Alle abgefallenen Blätter im Wald, alle toten Äste, verwelkte Pflanzen werden von Pilzen wieder in Grundstoffe zerlegt, die von lebenden Pflanzen wieder aufgenommen werden können. Dank der Pilze gibt es in der Natur kein Abfallproblem. Was wir allerdings als Pilze sehen und vielleicht sammeln, sind nur die Fruchtkörper. Der wirkliche Pilz ist normalerweise nicht sichtbar. Er durchspinnt als zartes,meist weißes Gewebe den Boden oder das Holz.

Um Ihnen eine kleine Vorstellung zu geben, wie viele verschiedene Pilzarten man bei einem Gang in Schwerte finden kann, möchten wir Sie einladen, Willibald Träger bei einigen Kartiergängen durch den Wald zu begleiten.

Bürenbruch - Grävingholz, Mittwoch, 3. Oktober 2007

Das Wetter brachte dieses Jahr zwar alle Botanik- und Schmetterlingsregeln durcheinander, aber bei den Pilzen gelang es ihm anscheinend nicht. 12 AGON-Mitglieder trafen sich daher am 3. Oktober 2007, dem Tag der deutschen Einheit, zu einer Pilzexkursion in das Grävingholz. Natürlich wurde nicht nur gelernt, sondern auch gesammelt. Erdstern, Fliegenpilz und Knollenblätterpilz blieben selbstverständlich stehen, aber Willibald Träger zeigte uns viele Arten, die wir bis dahin nicht benennen konnten. So lernten wir die Geweihförmige Holzkeule ebenso kennen wie den Nebelgrauen Trichterling. Baumpilze, die eigentlich tote Stämme zersetzen, wurden zu hoch begehrten Fotoobjekten, genauso wie die vielgestaltige Herbstlorchel. Was uns immer wieder faszinierte, war allerdings der Gedanke, dass die Pilze eigentlich im Erdboden oder im Holz leben und nur ihre Fruchtkörper an die Oberfläche bringen, damit sie ihre Sporen verteilen können und sich auf diese Weise weiter verbreiten. Schade, dass der Vormittag so schnell zu Ende ging.
Renate Neuhaus

Becherling, Fleischrt.Gallert- Ascocoryne sarcoides Reizker, Fichten - Lactarius deterrimus
Dickfuß, Lila Cortinarius traganus Risspilz, Kegeliger Inocybe rimosa
Drüsling, Warziger Exidia glandulosa Ritterling, Schwefel- Tricholoma sulphureum
Erdstern, Gewimperter Geastrum sessile Ritterling, Violetter Rötel- Lepista nuda
Fälbling, Rettich- Hebeloma sinapizans Röhrling, Brauner Filz- Xerocomus spadiceus
Fälbling, Tonblasser Hebeloma crustuliniforme Röhrling, Maronen- Xerocomus badius
Flämmling, Geflecktblättriger Gymnopilus penetrans Rübling, Fichtenzapfen- Strobilurus esculentus
Fliegenpilz Amanita muscaria Rübling, Grubiger Schleim- Oudemansiella radicata
Gallertköpfchen, Grüngelbes Leotia lubrica Schichtpilz, Striegeliger Stereum hirsutum
Hallimasch Armillaria mellea Schirmling, Spitzschupp. Stachel- Echinoderma echinacea
Helmling, Rettich- Mycena pura Schwefelkopf, Grünblättriger Hypholoma fasciculare
Holzkeule, Geweihförmige- Xylaria hypoxylon Stinkmorchel Phallus impudicus
Hörnling, Klebriger Calocera viscosa Stockschwämmchen Kuehneromyces mutabilis
Hörnling, Laubholz- Calocera cornea Täubling, Dickblättriger Schwärz- Russula nigricans
Keulchen, Linsenfaden- Typhula phacorrhiza Täubling, Frauen- Russula cyanoxantha
Knollenblätterpilz, Gelber Amanita citrina Täubling, Harter Zinnober- Russula lepida
Kohlenbeere Hypoxylon fragiforme Täubling, Netzflockiger Rosa- Russula aurora
Koralle, Kamm- Clavulina cristata Täubling, Ocker- Russula ochroleuca
Krause Glucke Sparassis crispa Tintling, Schopf- Coprinus comatus
Lacktrichterling, Violetter Laccaria amenthistea Tramete, Buckel- Trametes gibbosa
Lorchel, Herbst- Helvella crispa Tramete, Schmetterlings- Trametes versicolor
Porling, Birken- Piptoporus betulinus Träuschling, Grünspan- Stropharia aeruginosa
Porling, Bitterer Saft- Tyromyces stipticus Trichterling, Nebelgrauer
Clitocybe nebularis
Porling, Flacher Lack- Ganoderma applanatum Trichterling, Ockerbrauner Clitocybe gibba
    Wulstling, Grauer Amanita spissa

Grünspan-Träuschling (Foto: AGON/Ackermann)
Grünspan-Träuschling

Über das Ohl bei Villigst

Am Donnerstag, den 31.10.02, um 9:30 Uhr machen wir uns auf den Weg. Es ist kühl, 9°C; um 11:30 Uhr möchten wir wieder zurück sein. Was wir finden, notieren wir:

Sparriger Schüppling - Gifthäubling - Grünblättriger Schwefelkopf - Amethystblauer Lacktrichterling - Geweihförmige Holzkeule - Ockerbrauner Trichterling - Flaschenbovist - Rotfußröhrling - Birnenstäubling - Rettichhelmling - Stockschwämmchen - Butterrübling - Hallimasch - Geflecktblättriger Flämmling - Fleischbräunlicher Helmling - Kleinporiger Mehltrichterling - Graubrauner Schneckling - Zitronentäubling - Süßlicher Milchling - Ziegelroter Schwefelkopf - Zinnoberroter Pustelpilz - Nebelgrauer Trichterling - Glimmertintling - Stinkmorchel - Eichenwirrling - Fliegenpilz - Spaltblättling - Struppiger Risspilz - Gelber Knollenblätterpilz - Striegeliger Schichtpilz - Kartoffelbovist - Grubiger Schleimrübling - Violettstieliger Rötelritterling - Gemeiner Weichritterling - Buckeltramete.

 

 

Von Ergste-Wietloh über Herlingsen und Spiek zum Semberg

Am Dienstag, den 5.11.02 ist es ungemütlich. Wir starten bei 7°C um 8:30 Uhr bei dunstig verhangener Landschaft und Nieselregen. Wir haben Zeit bis 11:00 Uhr. Diesmal finden wir nicht ganz so viele Arten:

Herbstlorchel - Fichtenreizker - Stachelbeertäubling - Keulenfüßiger Trichterling (ein "Hexenring") - Gefleckter Rübling (wieder ein "Hexenring") - Geflecktblättriger Flämmling - Grünspanträuschling - Dickblättriger Schwarztäubling - Flaschenbovist - Weißer Rasling - Butterrübling - Nadelschwindling - Nebelgrauer Trichterling - Rehbrauner Dachpilz - Lilastieliger Rötelritterling - Mäuseschwanzrübling - Hallimasch - Birnenstäubling - Rötender Schirmpilz - Geweihförmige Holzkeule - Zunderschwamm - Grünblättriger Schwefelkopf - Ockerbrauner Trichterling - Gelber Knollenblätterpilz.

W. Träger

Krause Glucke (Foto: AGON/Träger)
Krause Glucke, selten - aber ein wertvoller Speisepilz
Pfefferröhrling (Foto: AGON/Träger)
Pfefferröhrling. Vorsicht, ein Pilz kann ein ganzes Gericht verderben.

   
Rotrandiger Porling    
Maronenröhrling Düsterer Röhrling Gewimperter Erdstern
Rostbrauner Schirmling Kiefernbraunporling Fliegenpilz
Rötender Schirmling Riesenbovist Goldmistpilz

Pilz des Jahres 2009: Blauer Rindenpilz (Pulcherricium caeruleum)

Der Blaue Rindenpilz ist in Deutschland eine seltene Art. Man kann ihn aber wegen seiner schönen indigofarbenen Fruchtkörper kaum übersehen. Er wächst vor allem an den Unterseiten der Äste von totem Laubholz. Der Pilz liebt die Wärme. Es wird also wohl noch einige Zeit dauern, bis die allgemeine Klimaerwärmung im hier bei uns ein Auskommen ermöglicht. In Süddeutschland gibt es Vorkommen.


Pilz des Jahres 2008: Bronze-Röhrling (Boletus aereus)

Die „Deutsche Gesellschaft für Mykologie“ hat den Bronze-Röhrling (Boletus aereus) zum „Pilz des Jahres 2008“ gewählt. Der Hut kann bis 30 cm groß werden und ist dunkel- oder sepiabraun bis fast schwarz und matt. Daher wird er auch als "Schwarzer Steinpilz" bezeichnet.

Die Poren sind klein, gedrängt und auch im Alter cremefarben bis grünlich verfärbend. Der Stiel ist kräftig, meist kurz und dick und von oben bis unten von einem gleichfarbenen braunen Netz überzogen. Er wächst unter Laubbäumen vor allem Eichen und Edelkastanien in klimatisch begünstigten Gegenden - also leider nicht bei uns in Schwerte.
W. Träger

 


Pilz des Jahres 2006 - Ästiger Stachelbart

Die „Deutsche Gesellschaft für Mykologie“ hat den Ästigen Stachelbart (Hericium coralloides) zum „Pilz des Jahres 2006“ gewählt, um auf eine gefährdete Pilzart hinzuweisen, deren Lebensraum wir schützen sollten. Er ist heute schon ökologisch wichtig, kann morgen für uns Menschen medizinisch von Nutzen sein und ist und bleibt einfach ein schöner Pilz. Sein Lebensraum sind in Europa alte Buchenwälder auf nicht zu trockenen Böden. Hier lebt er saprotroph auf totem Buchenholz.
W. Träger

Foto: G. Schmidt-Stohn


Pilz des Jahres 2005: Der Wetterstern

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat den Wetterstern (Astraeus hygrometricus) als Pilz des Jahres 2005 genannt. Als Mykorrhizapilz lebt der eigentümliche Pilz in Symbiose mit den Wurzeln diverser Kiefernarten auf trockeneren, meist sandigen oder aus Granitgruss aufgebauten, bodensauren Standorten. Der Wetterstern wächst zunächst als unterirdische Kugel mit einer zweischichtigen Hülle heran, die sich – kaum aus dem Boden lugend – in eine äußere und eine innere Schicht aufspaltet. Das sternförmige Aufreißen reifer Fruchtkörper wird von der Luftfeuchtigkeit gesteuert. Trotz der Ähnlichkeit mit den Erdsternen ist der Wetterstern nicht mit ihnen verwandt, sondern gehört in die Großfamilie der Röhrlinge. Seine frühere Bedeutung als „Wetterprophet“ hat Astraeus hygrometricus freilich längst verloren . Im Zeitalter der Satellitenprognosen erinnert daran nur noch der deutsche Name Wetterstern . In Schwerte wurde er bisher noch nicht gefunden.
W. Träger